LANDESLISTE NRW
CHANCE 2000
Die Fahrt zum Wolfgangsee (Vom Düsseldorfer Landtag über München und Dallas nach St. Gilgen):
31.07.98
Endlich. NRW wird um 10:56h offiziell im Düsseldorfer Landtag zugelassen.
Die Reisetasche darf gepackt werden.
01.08.98
Auf dem Weg nach München erfahre ich, dass meine Unterkunft beim LV Bayern für heute geplatzt ist.
Ich rufe kurz vor meinem Akku-Ende bei einer Freundin in Harlaching an und disponiere um.
Das war knapp.
Sah mich schon im englischen Garten mit Schlafsack.
Stattdessen hundertprozentige Entschädigung. Von Münchens Abendzeitung zum beliebtesten Biergarten gekürt,
besuchen wir die "Menterschwaige", wo König Ludwig vor 150 Jahren schon die Schauspielerin (?) Lola Montez gepimpert hat.
Sie wurde dann
von "aufgebrachten Münchner Bürgern aus der Stadt vertrieben" (laut Tafel).
Wir werden von der Besitzerin zum VIP-Tisch eingeladen und können uns kostenlos am riesigen Büffet bedienen.
Als grösster Dallas-Fan dann die geniale Überraschung. Steve Kanaly (Ray Krebbs) gesellt sich uns und verspricht,
Larry Hagman zu grüssen und Chance 2000 in Texas klarzumachen. Autogramm für den Landesverband.
Danach Übernachtung im Nachbarhaus von Fritz Wepper. Peter Fricke (Derrick, Kommissar) wohnt auch dort, ist aber nicht zu sichten!
01.08.98
Morgens um 7 Uhr rasen wir mit einem Porsche zum Bahnhof.
Gerade noch rechtzeitige Ankunft. Treffe Tanja vom LV Bayern. Dann Abfahrt um 7:42 nach Bad Enndorf.
Dort lerne ich Renate kennen. Grossartiges Bayern--Team. Beide erzählen mir die Geschichte
vom LV Bayern und neue Anekdoten vom Fürsten.
Leider ist deren Freundin Petra Perle (Hausfrauenclub 2000) verhindert und will nachkommen.
Um 11 Uhr endlich Ankunft in St. Gilgen.
Begrüssungsfoto durch Kleist-Theater. Verwirrende Info: "Jo Fabian sei auch schon da. Der Kanzler badet heute am anderen
Ende des Sees". Treffen dann am Hotel Billroth Detlev, der gerade ankommt sowie das restliche Berlin-Team.
12 Uhr
Entspannung des Berlin-Team bei einem netten Frühstück vor dem grossen Einsprung!
13 Uhr
Christoph immer im Pressestress! Dreckig und unangehm: anonyme briefliche Morddrohung aus Salzburg.
14 Uhr
Der öffentliche Badestrand füllt sich zusehends. Bodyguards gesellen sich zu uns.
Als sie zu symphathisierend werden, kommt neuer Personenschutz und observiert wiederum die Bodyguards.
Jede Menge Landesverbände und Vertreter da. Aus NRW (Ddorf, Mgladbach, Köln, Solingen, Wuppertal), Hamburg,
Hessen (Frankfurt, Kassel), Bayern, Berlin. Ausserdem dort: Direktkandidat Hof, Thorsten Schnick (dreht Diplomarbeit
über Chance und APPD), dutzende Pressevertreter (Spiegel, Focus TV, Münchner Abendzeitung, Österreichische Kronenzeitung,
RTL, 1 Live usw..). Alle filmen sich selbst und werden zum Teil der Inszenierung. Die Stimmung wird grotesk.
Hessen schnappt sich ein Megaphon und alle reihen sich an. Tolles Wetter. Der See schwappt über. Etwa 2-300
Menschen insgesamt anwesend. Im See: Der metaphysische Arbeitslose, Transparente, Chance-Ballons und kreischende
englische Kinder.
Dutzende von Arbeitslosen kündigen sich laut Christoph am anderen Uferende an.
Christoph wird heiser, gibt ein Interview nach dem anderen.
15 Uhr
Dann mal wieder uneingeladen: Besuch von Karl Nagel und der APPD. Ein kurioses Rahmenprogramm beginnt.
Transparente werden aufgestellt. Nagel nagelt uns erneut mit seinen Ansichten über den anarchistischen Erlebnispark.
Die Presse wird vom Personenschutz aufgeklärt. Das seien "die Bösen, die gehören nicht zur Chance".
Eine Österreicherin empört sich:
"Raus aus unserem Land".
Amüsanter 80er-Jahre Spasshumor, aber ohne Chance gegen die Chance 2000!
15:50 Uhr
Der Countdown läuft. Die selbsternannten Medienschmarotzer APPD pinkeln schliesslich in den See.
Die
Hauptanführerin zelebriert ein Livekotzen.
16:00 Uhr
Martin Wuttke besucht uns und gibt einen kurzen Abriss aus "Dantons Tod" zugute.
Dann der Sprung in den See.
Ein Bild von Wolfgang Joop wird versenkt.
Etwa 80-100 Anwesende hängen sich dran.
Die Presse paddelt mit ihren mitgebrachten Bötchen hinterher.
Die Menge schwimmt zu Helmuts Bootshaus, wird aber höflich abgewimmelt. Helmut scheint "gestorben zu sein".
Der Rest, der zurück bleibt wird weiter verzweifelt von der APPD unterhalten.
Demo der Mitfickzentralen: Erst auf gute französische Art, danach eine Live-Hundestellung.
Schliesslich kommt die österreichische Gendamerie und führt das sichtlich vergnügte Pärchen ab.
Später wird brav der Müll eingesammelt. Die Menge löst sich ab 18 Uhr auf.
Nach einem Abendessen dann die Rückreise.
Ich habe Glück und kann mit Annabel und Thomas wieder direkt nach NRW fahren.
Um 8 Uhr morgens nach einer anstrengenden Autofahrt mit viel Kaffee und kuriosen Nachrichtenmeldung über
"eine Demo gegen Arbeitslosigkeit, um Kohl das Wasser abzugraben, laut ihrem Sprecher" falle ich in mein Bett.
Die Party ist vorbei. Gerade noch in Österreich und schon wieder daheim.
Noch 55 Tage bis zur Bundestagswahl.
Wer baut uns jetzt den zweiten Bundestag mit den Überwachungskameras?
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